Macron braucht Deutschland und umgekehrt

Macron braucht Deutschland, das Europa braucht, das ohne Frankreich verloren ist. Das nennt man eine Schicksalsgemeinschaft.

Nach der Wahl von Emmanuel Macron zum neuen Präsidenten Frankreichs wird in den Medien viel darüber diskutiert, wie sich das deutsch-französische Verhältnis entwickeln wird. Es wird auch gesagt und geschrieben, dass sich in diesem Verhältnis bis zur Bundestagswahl wenig bewegen wird. Das wäre aus meiner Sicht ein Fehler.

Macron war der einzige Kandidat, der während der Wahlkampagne immer und eindeutig pro Europa war. Europäische Fahnen in seinen Meetings und die europäische Hymne bei seiner ersten Rede nach der Wahl sind klare Belege. Und genau deswegen muss sich JETZT und nicht nach der Bundestagswahl im Verhältnis zu Frankreich was bewegen. Wenn Macron in 5 Wochen keine Mehrheit bekommt, wird er nicht einmal die Hälfte der geplanten Reformen durchbringen können und das kann nicht im Interesse Deutschlands sein.

Sowohl Frau Merkel als auch Herr Schulz müssen JETZT eindeutige Signale nach Frankreich senden, von der Sorte, die auch beim französischen Wähler ankommen. Es müssen selbstverständlich keine bindenden Zusagen sein, aber eindeutige wohlwollende Zeichen.

Wenn ich Herrn Mélenchon von Diktat sprechen höre, wenn Madame Le Pen behauptet, Frankreich werde von Angela Merkel regiert, wenn ich deren Ergebnisse beim ersten Wahlgang zusammen addiere, komme ich auf 40% der abgegebenen Stimmen. Das macht mir Sorgen. Und auch die gemäßigten Linken und Rechten tendieren dazu, Deutschland mindestens als mitverantwortlich für einige Probleme in Frankreich darzustellen.

Ich habe als Deutschfranzose überhaupt keine Lust auf Ressentiments.

Macron sollte von Deutschland unterstützt werden, auch in seinen Bemühungen, in den kommenden Wochen eine Mehrheit im Parlament zu gewinnen, JETZT sollten die Signale kommen.