Macron – Baustellen auf der Überholspur

Zwischen dem Tag, an dem Jacques Chirac in die Politik eintrat, und dem Sonntag, an dem er zum Präsidenten der französischen Republik gewählt wurde, vergingen fast 30 Jahre. Emmanuel Macron schaffte es in weniger als einem Jahr.

Dieser Mann ist auf der Überholspur. Im dichten Verkehr auf der politischen Autobahn haben es ihm seine Mitstreiter aber auch einfach gemacht. Marine Le Pen konnte die Geschwindigkeit eine Zeit lang halten, verfuhr sich jedoch spätestens bei der TV-Debatte und fiel zurück. Francois Fillon hatte die Straßenverkehrsordnung missachtet und zu viele Mitfahrer mit kostenloser Verpflegung begünstigt. Dem deutlich aggressiv fahrenden Jean-Luc Mélenchon, der lange Zeit hinter Macron mit Hupe, Lichthupe und erratischen Spurwechseln unterwegs war, ging am Ende der Sprit aus. Und Benoit Hamon hatte vom Anfang an zu wenig PS (ausgerechnet die Initialen der Parti Socialiste) um wirklich mitzumachen.

So weit, so gut. Nun muss Macron die Autobahn verlassen. Im dichten Straßennetz Frankreichs erwarten ihn mehrere Großbaustellen. Hier zählt nicht die Kraft eines starken Motors, sondern ein agiles Fahrwerk und ein paar intelligente Lotsen.

Fest steht, dass seine sämtlichen Vorgänger die Baustellen zu vermeiden wussten. Sarkozy und Hollande haben Alternativrouten gewählt. Die sie nirgendwo anders hin geführt haben, als in die Wahlniederlage. Größer geworden sind aber die Schlaglöcher in der Staatskasse. Länger die Staus vor den Arbeitsagenturen. Beim grenzüberschreitenden Verkehr schaffen es zu wenige Güter ins Ausland.

Macron wird diese Baustellen nicht umfahren können. Dafür braucht Frankreich eine neue Straßenverkehrsordnung, die ihm hoffentlich eine Mehrheit in der Nationalversammlung verschaffen wird. Auch wenn die Straßenverkehrsordnung in Frankreich nicht immer eine entscheidende Rolle spielt.

Dem neuen Präsidenten muss es gelingen, die Baustellen auf absehbare Zeit verschwinden oder zumindest kleiner werden zu lassen. Denn Marine Le Pen verfährt sich bestimmt nicht ein zweites Mal.